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Die Sieger gehen baden

Wir schauen auf einen Pool in einem orientalischen Hotelkomplex. Die Vorstellung von ungestörtem Badevergnügen scheint jedoch gestört, denn wir sehen auch einen Soldaten mit Gewehr am Eingang postiert. Offenbar bedarf das Sicherheitsgefühl in diesem Bereich einem besonderen militärischen Schutz. Auch am oberen rechten Beckenrand ist ein Wächter und wir können abgelegte Kleidungsstücke und eine Maschinenpistole erkennen. Es sind Armeeangehörige, die hier schwimmen gehen - denn es ist das Privileg der Sieger, sich nach dem Kampf in den eroberten Gebäuden und Gebieten zu vergnügen. Endlich kann man sich das Blut, das an den Händen klebt, abwaschen. Die Verlierer haben keinen Zutritt in diese Oase des Vergnügens. Sie können sich mit Sand waschen, denn in Kriegszeiten sind Wasser und Lebensmittel streng rationiert und zuerst nehmen sich die Sieger ihren Anteil, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen - dafür leitet man schon mal die Wasservorräte in den Swimmingpool. Aber solange man seine Privilegien mit Gewehren schützen muß, ist der Krieg nicht vorbei, auch wenn die Sieger das Kriegsende ausrufen. Die Geschichte des Jahres 2004 offenbart die Doppeldeutigkeit des Titels.