Orden rollen zum nächsten Krieg
Sie haben ihre Uniform wieder aus dem Schrank geholt und die Verdienstorden angesteckt. Voller Stolz rollen sie mit ihren Rollstühlen in der vordersten Reihe einer Militärparade und lassen sich feiern. Am liebsten würden sie aufspringen und wie einst mit strammem Schritt in Reih und Glied mitmarschieren! Nur das geht nicht mehr. Seit man ihnen in den Arsch geschossen hat, sind sie an die Rollstühle gebunden. Doch ihre Kampfbereitschaft hat durch die Verletzungen nicht gelitten und wenn sie die Wahl hätten, würden sie alles noch mal so machen und sich freiwillig zum Dienst für die Nation melden. Den Kindern erzählen sie von ihren Heldentaten und den fremden Ländern, in denen sie gekämpft haben. Sie zeigen jedem ihre Orden und goldenen Abzeichen, ohne zu sagen, wie viele Menschen für dieses Stück Metall getötet wurden. Mitleid und Trauer empfinden sie nur für Menschen in gleichen Uniformen und wenn überhaupt, haben sie nur ihre eigenen Toten gezählt. Aber das sie im Leben etwas falsch gemacht haben, darauf kommen sie nicht. Selbst nachdem sie dem Tod nur um ein paar Zentimeter entgangen sind, sind sie wieder bereit, sich von den Mächtigen im Land in den Arsch treten zu lassen. Am Straßenrand stehen noch viele andere Unbelehrbare, die freudig ihre Fähnchen schwenken und den nächsten Krieg herbeijubeln. Ihnen ist gar nicht bewusst, daß der Kriegsaufmarsch hier und jetzt beginnt, auch wenn der nächste Gegner noch gar nicht feststeht.
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