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Bäume und Gewehre fressen Kultur

Gewehre und Kanonen zerstören sehr schnell. Mit einem einzigen Knall ist ein ganzes Haus weg. Die Natur braucht mehr Zeit, um von einem Gebäude Besitz zu ergreifen und daraus ein Dornröschenschloß zu machen. Nur eins ist sicher, der Verfall kommt bestimmt. Im Krieg muß man gar nicht alle Menschen einer anderen Kultur töten, es genügt, sie aus ihren Häusern und Siedlungsgebieten zu vertreiben, um ihre Kultur zu zerstören. Um die Gebäude und Kultstätten braucht sich der Sieger nicht weiter zu kümmern, das erledigt die Natur für ihn. Es dauert nur ein paar Generationen, bis die Überbleibsel einer ehemaligen Hochkultur mit Gras überwachsen , unsichtbar und in Vergessenheit geraten ist. So ist es einigen Kulturen in der Weltgeschichte gegangen. Sie wurden in Kriegen besiegt und sind im Treibsand der Geschichte buchstäblich versunken. Erst 1000 Jahre später wurden die Ruinen wieder ausgegraben. So geschehen in Ländern wie Indien, Mexiko oder Kambodscha, auf das sich dieses Bild bezieht. Archäologen haben dort die alte Tempelstadt Angkor freigelegt. Der Dschungel hatte die einst heiligen Städte überwuchert und die Wurzeln der Urwaldriesen haben die Tempelmauer gesprengt, so dass die Gebäude zusammengefallen sind. In mühsamer Arbeit über Jahrzehnte wurden einige Tempel freigelegt, um sie zur Schau zu stellen und die versunkene Kultur und ihre Erzeugnisse zu bestaunen. Die Besucher fragten sich, wie so eine Hochkultur einfach verschwinden kann. Dann gab es wieder Krieg und wieder schossen Gewehre und Kanonen auf die restaurierten Gebäude. Die Menschen wurden verjagt und das Gelände zum Sperrgebiet erklärt. Die Ruinen hat man dann wieder dem Urwald überlassen.